MARRAKESCH

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Was genau machte die Hippie-Generation, die Kinder des Summer of Love, eigentlich so revolutionär? Es waren nicht nur ihre Vorstellungen von der freien Liebe und ihr Kampf gegen die konservativen Vorstellungen der Eltern-Generation, sondern auch ihre Hinwendung zu fremden Kulturen, die Öffnung der westlichen Welt zu dem, was abseits von Europa und den USA lag – das äußerte sich vor allem auch modisch in ethnischen Einflüssen, die Design-Vorreiter wie etwa Thea Porter prägten. In seiner Autobiografie “Life” bezeichnet Keith Richards das Jahr 1967 als “Wendepunkt, das Jahr, in dem alle Nähte platzten” – auch wegen der Reise der Rolling Stones nach Marrakesch. Die Band entdeckte dort neue musikalische und modische Ausdrucksformen und griff ethnische Einflüsse und ein neues, freies Denken in ihrer Arbeit auf, etwa zeitgleich mit ihr kamen Andy Warhol und Yves Saint Laurent, der bereits durch seine Kindheit in Nordafrika ein enges Verhältnis zur orientalischen Kultur pflegte.

Marrakesch beeinflusste wie kaum eine andere Stadt außerhalb der westlichen Hemisphäre die revolutionäre Popkultur der 60er-Jahre, die heute wieder stark fasziniert und von Kreativen aufgegriffen wird. Daher ergeht es Marrakesch heute wie vielen ehemaligen Künstlervierteln in den Metropolen dieser Welt, die nun die teuersten Gegenden der Stadt sind (denken wir da nur an das Marais in Paris oder Soho in London): Früher Zentrum der Hippie-Kultur, heute Treffpunkt des internationalen Jetset – die Faszination für die orientalische Kultur, die verwinkelte Altstadt mit ihren rot gebrannten Lehmhäusern, die luxuriösen Riads der magischen Wüstenstadt besteht auch noch 47 Jahre nachdem die Rolling Stones dort Halt machten.

Über Marrakesch: Manche Metropolen scheinen zwei oder mehr Städte in sich zu vereinen. So verschieden wirken ihre Viertel und Stimmungen. In Marrakesch aber treffen verschiedene Welten aufeinander. Im historischen Teil, der Medina, funktioniert das Leben völlig anders als in den modernen Vierteln. Das verleiht Marrakesch eine Art doppelte Identität und macht es einzigartig – besonders für eine Stadt in einem muslimischen Land.

Ein Marrakesch-Moment: Ganz gleich wann im Jahr, das Licht in Marrakesch ist immer unglaublich schön! Selbst nachts. Man vergisst oft, dass die Stadt auf nahezu 800 Metern Höhe liegt. Deshalb scheint das Mondlicht hier so intensiv. In manchen Nächten kann man sogar ohne künstliche Beleuchtung lesen!

Lieblingsorte: Auf dem Platz Djemaa el-Fna gibt es Stände, an denen man das wohl frischeste Fleisch der Stadt überhaupt bekommt. Wir besuchen immer den Stand Nummer 21, den ich wärmstens empfehlen kann. Wenn ich in einem besonderen und märchenhaften Ambiente speisen möchte, besuche ich das Dar Yacout. Das Restaurant wurde von dem amerikanischen Designer Bill Willis gestaltet, der in den späten Fünfziger-, frühen Sechzigerjahren nach Marrakesch kam und heute eine echte Stilikone ist. Vom obersten Stockwerk hat man einen umwerfenden Blick über die ganze Altstadt. Wenn mir der Sinn nach Shopping steht, stöbere ich in der Medina oder besuche die Boutiquen in Sidi Ghanem. In der Djellabar, eine orientalische Bar mit moderner Musik, lasse ich den Tag ausklingen. Es ist einer der wenigen Orte in Marrakesch, wo sie sehr gute Cocktails mixen.

Für kleine Fluchten: Wenn ich der Hektik Marrakeschs entfliehen möchte, reise ich in das wunderschöne Ourika Tal. Die Menschen dort sind sehr freundlich – und leise, nicht so geschäftig wie in Marrakesch. Man kann dort einfach die Natur genießen und loslassen.

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